30 Jahre Waldorfschule Kaltenkirchen

Eine Schule in Bewegung

Ein runder Geburtstag ist immer etwas Besonderes. Hübsch hatte sie sich gemacht, herausgeputzt und im strahlenden Sonnenschein begrüßte sie in ihrer alltäglichen Schönheit ihre Gäste. Mit ihren 30 Jahren Erfahrung wirkte sie fast ein bisschen erwachsen. Die Findungsphase hatte sie hinter sich gelassen und doch hat sie sich ihre kindliche Neugier behalten: Die Waldorfschule Kaltenkirchen ist immer in Bewegung.

Und auch zum 30-jährigen Jubiläum am 7. und 8. September 2018 ging es darum, gemeinsam eine Menge zu bewegen. Monatelange Vorbereitungen des Festkomitees und unzählige helfende Hände voller Leidenschaft, Ideen und Gestaltungswillen hatten daran mitgearbeitet, dass die Schule an ihren Ehrentagen in besonderem Glanz erstrahlen konnte.

Ob zum bunten Sommerfest, dem Vortrag von Henning Kullack-Ublick „Jedes Kind ein Könner“, zum feierlichen Festakt oder dem musikalischen Ausklang am Abend   – viele Menschen waren gekommen, um zu gratulieren: Schüler, Eltern, ehemalige Schüler, Eltern und Lehrer, Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Menschen, die sich der Waldorfschule Kaltenkirchen verbunden fühlen.

Doch was macht die Waldorfschule Kaltenkirchen eigentlich aus, welche Beziehung haben die Menschen hier zu „ihrer Schule“ – eine Spurensuche:  Als vor 30 Jahren die Gründerväter Stockmar, Ehlers und viele andere Menschen die Idee „Waldorfschule Kaltenkirchen“ zum Leben erweckten, gaben sie der Schule einen Gründungsimpuls mit auf den Weg, der bis heute in jeder Ecke der Schule zu spüren ist: Innovationskraft.  „Das liegt an den Menschen die da sind, sie machen es möglich, dass die Schule aus sich schöpfen kann“, erzählte eine Lehrerin begeistert.  Und auch in der Schullandschaft Kaltenkirchens ist die Waldorfschule etwas ganz Besonderes. „Die Kindern dürfen hier individuell wachsen und lernen durch Erleben. Dies wird nirgendwo so authentisch durchgeführt wie in der Waldorfschule“, so Sabine Steenbock. Als Schülerin der ersten Stunde ist sie als Mutter an ihre Schule zurückgekehrt. Mittlerweile ist sie auch im Vorstand der Waldorfschule aktiv:. „Wir fühlen uns hier einfach Zuhause.“

Stillstand hat es in den letzten 30 Jahren in der Waldorfschule nicht gegeben und auch beim bunten Sommerfest  auf dem Schulhof wurde Bewegung groß geschrieben. „Die Kinder sind richtig auf Stempeljagd, aber nicht nur die Kleinen, auch die Großen“, berichtete Mutter Ann-Kathrin Jörss. Alle Kinder hatten eine Karte bekommen, die sie an jeder Klassen-Station abstempeln lassen konnten. Bei der fünften Klasse war der Weg das Ziel: Dreibein-Lauf als Duell. Noch mehr Bewegung gab es beim Schubkarren-Rennen – hier wurde wild angefeuert und auch beim „Erbsen-Zerknallen“ war Reaktionsvermögen gefragt. Westafrikanische Rhythmen tönten derweil über den Schulhof. Musiklehrerin  Beate Droste-Petermeier, die Mütter Diana Bleyer und Carmen Heesch spielten auf ihren Djembe Trommeln. Präzision und Schnelligkeit zahlten sich auch für Ida Lingstädt aus. Voller Leidenschaft hämmerte sie beim Wetthämmern Nägel in ein Stück Holz. Mit Riesenseifenblasen Kunstwerke in die Luft zu zeichnen, versprach dagegen etwas Entschleunigung. Ebenso die Station der vierten Klasse. Liebevoll gestaltete Schlangen, Bienchen, Schmetterlinge und Regenbogen mit Gold und Glitzer malten die Mütter Hannah Hamelmann und Anke Schütte aus der vierten Klasse dort auf Unterarme und Hände der Kinder.

Als zu später Stunde nach einem gelungenem musikalischem Ausklang im Unterstufengebäude das Licht gelöscht wurde und die Tür hinter dem letzten Gast ins Schloss fiel, breitete sich eine entspannte Stille in der Waldorfschule Kaltenkirchen aus. Das Geburtstagskind hatte mit seinen 30 Jahren aber auch nichts gegen eine kleine Ruhepause… und doch freute sie sich insgeheim schon wieder auf Montag. Darauf, wenn die Kinderstimmen durch die Räume hallen und alle wieder in Bewegung sind. In diesem Sinne: Das Werden ist das Ziel – auf in eine bewegte Zukunft.

Redaktion: Lilly Mitterdiami

Fotos: Stefan Jörss